Rezension von
Gisela Hormayr: „Ich sterbe stolz und aufrecht“. Tiroler SozialistInnen und KommunistInnen im Widerstand gegen Hitler (Innsbruck/Wien/Bozen: StudienVerlag, 2012)

Manchmal erscheinen Bücher, von denen man sich wünscht, man hätte sie schon vor 25 Jahren gelesen. In diesem Fall wäre mein Verständnis Tirols, insbesondere des Tiroler Unterlands, in dem ich aufgewachsen bin, um vieles bereichert worden.

Gisela Hormayrs „Ich sterbe stolz und aufrecht“, erzählt nicht nur – wie der Untertitel besagt – von „Tiroler SozialistInnen und KommunistInnen im Widerstand gegen Hitler“, sondern auch von sozialistischer Organisierung in Tirol im Allgemeinen. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei den EisenbahnerInnen, aber auch dem Industriegebiet um Wörgl, Kirchbichl und (Bad) Häring zu.

Was die Berichte aus der NS-Zeit betrifft, so sind diese von einem bekannten, doch immer wieder gleich berührenden Kontrast geprägt: dem zwischen ideologischer Verblendung, bürokratischer Hartherzigkeit und Denunziantentum auf der einen Seite und couragierter Selbstbehauptung und dem Bewahren menschlicher Würde auf der anderen. Besonders aufwühlend sind die Eindrücke, die man aus dem Leben der für ihre Widerstandstätigkeit Verurteilten gewinnt. Etwa wenn sich das Ehepaar Josefine und Alois Brunner nach über einem Jahr getrennter Haft in München-Stadelheim vor ihrer Hinrichtung nicht voneinander verabschieden darf, oder wenn Josef Axinger am 3. August 1944 ebendort für das Verteilen eines Flugblattes guillotiniert wird. Insgesamt wurden zwischen 1938 und 1945 etwa 110 TirolerInnen aufgrund tatsächlichen oder vermeintlichen Widerstands gegen das Naziregime verurteilt, davon 16 zum Tode. Es handelte sich mehrheitlich um ArbeiterInnen und HandwerkerInnen.

Die Faktenfülle, der Anekdotenreichtum, das Heranziehen behördlicher Aufzeichnungen und der akademische Aufbau machen das 350-Seiten-Werk nicht immer leicht lesbar, doch schmälert dies das Verdienst der Autorin keineswegs. Gisela Hormayrs Arbeit ist eine notwendige und dringliche historische Aufarbeitung ebenso wie ein ergiebiges Nachschlagewerk. Sie stellt eine wichtige Bereicherung zu der glücklicherweise immer noch wachsenden Literatur über eine Zeit dar, aus der nur die ermutigenden und Hoffnung spendenden Haltungen und Taten überleben dürfen – die einer Adele Stürzl, eines Max Bär und vieler anderer der in diesem Buch Porträtierten.

gk

(Oktober 2013)